„Zu jedem Kaffee ein Glas Wasser, sonst trocknest du aus" – diesen Rat hat fast jeder schon gehört. Er hält sich hartnäckig, obwohl die Forschung ihn seit Jahren relativiert.
Entzieht Kaffee dem Körper Wasser?
Kurz gesagt: Nein. Kaffee wirkt in üblichen Mengen nicht entwässernd und zählt bei den meisten Menschen ganz normal zur täglichen Flüssigkeitsbilanz. Der leicht harntreibende Effekt des Koffeins wird durch die Wassermenge im Kaffee mehr als ausgeglichen.
Koffein hat tatsächlich eine leicht harntreibende (diuretische) Wirkung – daher der Mythos. Entscheidend ist aber die Bilanz: In einer Tasse Kaffee steckt sehr viel Wasser und vergleichsweise wenig Koffein. Unterm Strich führst du deinem Körper mit einer Tasse also mehr Flüssigkeit zu, als der harntreibende Effekt wieder ausscheiden lässt. Studien der letzten Jahre zeigen übereinstimmend, dass moderater Kaffeekonsum den Flüssigkeitshaushalt nicht negativ beeinflusst.
Zählt Kaffee zur täglichen Flüssigkeitsmenge?
Ja. Lange galt Kaffee als „Flüssigkeitsräuber", der nicht mitgerechnet werden dürfe. Diese Einschätzung gilt heute als überholt: Ernährungsfachgesellschaften rechnen Kaffee ganz normal zur Flüssigkeitszufuhr. Das begleitende Glas Wasser im Café ist also kein medizinisches Muss, sondern eher eine nette Geste und ein Geschmacks-Neutralisierer. Wer gern Wasser dazu trinkt, tut trotzdem nichts Falsches – schaden kann zusätzliches Wasser nie.
Woher kommt der Mythos vom „Wasserräuber" Kaffee?
Der Ursprung liegt in einer sehr alten und kleinen Studie aus den 1920er-Jahren, die dem Koffein eine stark entwässernde Wirkung zuschrieb. Diese Vorstellung wanderte über Jahrzehnte durch Ratgeber und Köpfe. Neuere und deutlich besser gemachte Untersuchungen konnten diesen Effekt für den Alltag jedoch nicht bestätigen – zumindest nicht in einem Ausmaß, das die Wasserzufuhr aus dem Kaffee aufwiegen würde. Der Mythos ist also ein klassisches Beispiel dafür, wie sich eine frühe Annahme verselbstständigt.
Gibt es einen Gewöhnungseffekt beim Koffein?
Ja, und der spielt eine wichtige Rolle. Wer regelmäßig Kaffee trinkt, gewöhnt sich an das Koffein – der ohnehin geringe harntreibende Effekt schwächt sich dadurch weiter ab. Ein stärkerer Effekt kann eher auftreten, wenn jemand, der sonst kaum Koffein zu sich nimmt, plötzlich eine große Menge trinkt. Für Gewohnheitstrinker ist die entwässernde Wirkung im Alltag praktisch vernachlässigbar.
Wann solltest du trotzdem extra auf Wasser achten?
Ein paar Situationen, in denen zusätzliches Wasser sinnvoll ist – unabhängig vom Kaffee:
- Bei Hitze und starkem Schwitzen: hier verliert der Körper generell viel Flüssigkeit
- Beim Sport: Wasser gleicht den Schweißverlust aus
- Bei sehr hohem Kaffeekonsum: wer viele Tassen am Tag trinkt, sollte ohnehin auf ausreichend Wasser insgesamt achten
- Wenn du wenig sonst trinkst: Kaffee ersetzt keine ausgewogene Trinkmenge über den Tag
Das hat aber nichts mit einer angeblichen Entwässerung durch Kaffee zu tun, sondern mit dem generellen Flüssigkeitsbedarf des Körpers.
Fazit: Du musst kein schlechtes Gewissen haben, wenn du deinen Kaffee ohne Wasser dazu trinkst – austrocknen wirst du davon nicht. Genieße deine Tasse einfach, und trink über den Tag verteilt so viel, dass du dich wohlfühlst. Wie viele Tassen dabei insgesamt sinnvoll sind, klären wir übrigens im Artikel Wie viele Tassen Kaffee am Tag sind eigentlich noch okay?.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei gesundheitlichen Fragen oder bestehenden Erkrankungen wende dich an eine Ärztin oder einen Arzt.


